Der Sturm

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Stephano. Trinculo, seze dich keiner fernern Gefahr aus. Unterbrich das Ungeheuer nur mit einem Wort, und beym Sapperment, ich will meine Barmherzigkeit zur Thür hinaus stossen, und einen Stokfisch aus dir machen.

Trinculo. Wie? Was that ich denn? Ich that nichts; ich will weiter weggehen.

Stephano. Sagtest du nicht, er lüge?

Ariel. Du lügst.

Stephano. (Er prügelt den Trinculo.) Thu ich das? Nimm das, und wenn es dir wohl schmekt, so heisse mich ein andermal wieder lügen.

Trinculo. Ich habe dich nicht lügen geheissen--Habt ihr den Verstand verlohren, und das Gehör dazu? daß der Henker eure Flasche! Das kan Sect und Trinken thun! Daß die schwere Noth dein Ungeheuer, und der T** deine Finger--

Caliban. Ha, ha, ha.

Stephano. Nun, weiter in deiner Erzählung--

(zu Trinculo)

ich bitte dich, steh weiter zurük.

Caliban. Schlag ihn bis er genug hat; über eine Weile will ich ihm auch geben.

Stephano. Weiter zurük--Komm, fahre fort.

Caliban. Wie ich dir sagte, er hat die Gewohnheit nachmittags zu schlaffen; dann kanst du ihm den Kopf spalten, aber du must ihm vorher seine Bücher nehmen; oder du kanst ihm mit einem Bloke den Hirnschedel zersplittern, oder ihm mit einem Pfahl den Bauch aufreissen, oder ihm mit deinem Messer die Gurgel abschneiden. Vergiß nicht, ihm seine Bücher vorher wegzunehmen; denn ohne sie ist er nur ein Dummkopf wie ich; und hat nicht einen einzigen Geist mehr, dem er befehlen könnte. Sie hassen ihn alle mit einem so eingewurzelten Haß wie ich. Verbrenne nur seine Bücher. Er hat hübsche Möbeln, wie er sie heißt, womit er sein Haus einrichten will, wenn er eins hat. Und was am tiefsten dabey zu betrachten ist, das ist die Schönheit seiner Tochter; er selbst nennt sie sein Tausendschönchen; ich habe nie mehr als zwey Weibsbilder gesehen, Sycorax, meine Mutter, und sie; aber sie übertrift Sycorax so weit als das Gröste das Kleinste.

Stephano. Ist sie so ein hübsches Mensch?

Caliban. Ja, mein Gebieter; sie wird dein Bette zieren, ich versichre dich's, und dir eine brave junge Zucht bringen.

Stephano. Ungeheuer, ich will diesen Mann umbringen; seine Tochter und ich sollen König und Königin seyn, (Gott erhalte unsre Majestäten!) und Trinculo und du, ihr sollt Vice-Könige seyn. Gefällt dir der Anschlag, Trinculo?

Trinculo. Vortrefflich.

Stephano. Gieb mir deine Hand; es ist mir leid, daß ich dich geprügelt habe: aber so lange du lebst, so halte deine Zunge wohl im Zaum.

Caliban. In der nächsten halben Stunde wird er eingeschlafen seyn; willt du ihn alsdann vernichten?

Stephano. Ja, bey meiner Ehre.

Ariel. Das will ich meinem Herrn erzählen.

Caliban. Du machst mich ganz aufgeräumt; ich bin voller Freuden; laß uns lustig seyn. Wollen wir Bilboquet spielen, das ihr mich nur erst gelernt habt?

Stephano. Weil du mich drumm bittest, Ungeheuer, so will ich dir etwas zu gefallen thun. Komm, Trinculo, wir wollen singen.

(Sie singen ein Gassenlied.)

Caliban. Das ist nicht die rechte Melodie.

(Ariel spielt ihnen die Melodie auf einer Pfeiffe, mit einer Biscayer-Trummel.)

Stephano. Was ist das?

Trinculo. Es ist die Melodie unsers Lieds, von einem Gemählde von Niemand gespielt.

Stephano. Wenn du ein Mensch bist, so zeige dich in deiner Gestalt; und bist du der Teufel, so zeige dich wie du willst.

Trinculo. O! vergieb mir meine Sünden!

Stephano. Wer stirbt, bezahlt alle seine Schulden. Ich biete dir Troz! (Der Himmel steh uns bey!)

Caliban. Fürchtest du dich?

Stephano. Nein, Ungeheuer, nicht ich.

Caliban. Du must dich nicht fürchten; diese Insel ist voll von Getöse, Tönen und anmuthigen Melodien, welche belustigen und keinen Schaden thun. Manchmal sumsen tausend klimpernde Instrumente um mein Ohr; manchmal Stimmen, die, wenn ich gleich dann aus einem langen Schlaf aufgewacht wäre, mich wieder einschläfern würden; dann däuchts mir im Traum, die Wolken thun sich auf, und zeigen mir Schäze, die auf mich herunter regnen wollen; daß ich, wenn ich erwache, schrey und weine, weil ich wieder träumen möchte.

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William Shakespeare

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