Verlaßt euch darauf.

Northumberland. Warum sagte dann der Edelmann, der bey Travers vorbey ritt, gerad das Gegentheil?

Bardolph. Er? Das war irgend ein elender Kerl, der das Pferd gestohlen hatte, worauf er ritt, und, bey meinem Leben, es nur so auf Gerathwohl hinsagte. Seht, hier kommen mehr Zeitungen.

Dritte Scene. (Morton zu den Vorigen.)

Northumberland. O dieses Manns Stirne kündigt wie ein Titelblatt einen tragischen Inhalt an; so sieht der Strand aus, auf dem die gewaltthätige Fluth Zeugnisse ihrer zerstörenden Wuth gelassen hat. Sprich, Morton, kommst du von Schrewsbury?

Morton. Ich bin von Schrewsbury hieher gerennt, Milord, wo der verhaßte Tod seine scheußlichste Maske umgethan hat, unsre Parthey zu schreken.

Northumberland. Was macht mein Sohn und mein Bruder?--Du zitterst? Die Blässe deiner Wangen verkündigt, was deine Zunge nicht aussprechen kan. Eben so ein Mann, so bebend, so athemlos, so bestürzt, so todt in seinem Blik, so trostlos, zog in der Todesstille der Nacht den Vorhang von Priams Bette, und wollt' ihm sagen, sein halbes Troja lige schon in Asche; aber Priam fand das Feuer, eh der Mann seine Zunge fand, und ich meines Percy Tod, eh du ihn ankündigst. Du wolltest sagen: Euer Sohn that diß und das, euer Bruder, diß; so focht der edle Dowglas; aber wenn du mein gieriges Ohr mit ihren kühnen Thaten vollgestopft gehabt hättest, dann würdest du alles dieses Lob mit einem einzigen Seufzer weggeblasen und damit beschlossen haben, daß mein Bruder, mein Sohn und alle geblieben seyen.

Morton. Dowglas lebt, und euer Bruder auch noch; aber Milord euer Sohn--

Northumberland. Nun, er ist todt. Sieh, was für eine fertige Zunge der Argwohn hat! Wer das fürchtet, was er nicht wissen will, ließt, wie durch Instinct, in andrer Augen, daß was er fürchtet geschehen ist. Aber, rede Morton; sag dem Grafen von Northumberland, seine Ahnung lüge, und ich will dich reich für eine so angenehme Beleidigung machen.

Morton. Eure Ahnung ist nur allzurichtig.

Northumberland. Und mit alle dem sagst du doch nicht, daß Percy todt sey. Du schüttelst den Kopf, als ob du läugnen wollest, was dein düstrer Blik bekennet; du hältst es für Gefahr oder Sünde eine Wahrheit zu sagen. Wenn er erschlagen ist, so sag es; die Zunge begeht kein Verbrechen, die seinen Tod berichtet; der sündigt, der den Todten belügt, nicht der, welcher sagt, der Todte lebe nicht mehr. Und doch hat der Ueberbringer unwillkommner Zeitungen eine undankbare Mühe; seine Zunge tönt uns nachher immer wie eine Todten-Gloke, die uns erinnert, daß sie einem geliebten Freund zu Grabe gelidten hat.

Bardolph. Ich kan es nicht glauben, Milord, daß euer Sohn todt seyn soll.

Morton. Es ist mir leid, daß ich euch nöthigen muß, etwas zu glauben, daß ich nicht gesehen zu haben wünschte. Aber diese meine Augen sahen ihn in seinem Blute sich wälzen, sahen ihn, in dem Augenblik, da er langsamathmend und mit schwachem Ton die lezten Worte gegen Heinrich von Monmouth aushauchte, dessen feuriger Grimm den nie zuvor besiegten Percy zur Erde niedergeschlagen hatte. Mit einem Wort, wie vorher sein Geist selbst dem plumpesten Fußknecht in seinem Lager Feuer geliehen hatte, so blies izt sein Tod, sobald er ruchtbar wurde, alle Hize in den Herzhaftesten aus; seine scheidende Seele, gleich als wäre sie die allgemeine Seele seiner Parthey gewesen, ließ lauter leblose Klöze zurük, die izt von der Furcht allein fortgeschleudert wurden; und wie die schwersten Körper, wenn sie durch eine fremde Gewalt in Bewegung gesezt werden, desto schneller fliegen, so fliegt kein Pfeil vom Bogen abgedrükt schneller seinem Ziele zu, als unsre Soldaten vom Felde ihrer Rettung zu flohen. In diesem Tumult wurde allzufrüh der edle Worcester gefangen, und dieser feuerathmende Schotte, dieser blutige Dowglas, dessen unermüdetes Schwerdt dreymal die vermeynte Gestalt des Königs erschlagen hatte; selbst er begann seinen Muth zu verhüllen, und verminderte durch seine Flucht die Schmach derer die den Rüken gewendet hatten, gerieth aber durch einen Fall vom Pferd in die feindlichen Hände.

Der Zweyte Theil von König Heinrich dem vierten Page 03

William Shakespeare

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