Faulconbridge. Wie ich mit der Geistlichkeit zu Werke gegangen bin, können die Summen die ich zusammen gebracht am besten sagen. Allein indem ich das Land, um hieher zu kommen, durchreiset bin, find' ich das Volk in einem seltsamen Anstoß von Schwärmerey, von Rumoren besessen und voll wunderlicher Träume, voller Furcht und Schreken, ohne zu wissen, was sie fürchten; und hier ist ein Prophet, den ich von den Strassen von Pomfret, wo ihm ein unzähliches Volk nachlief, weggenommen, und mit mir gebracht habe. Er sang ihnen in rauhen hartklingenden Reimen, daß vor nächstem Auffahrts-Tag, mittags, Eu. Hoheit die Crone niederlegen würden.

König Johann. Du eitler Träumer, warum thatest du das?

Peter. Weil ich vorher weiß, daß es geschehen wird.

König Johann. Hubert, hinweg mit ihm, ins Gefängniß, und auf den Tag, mittags, wenn ich, wie er sagt, die Crone niederlegen soll, laß ihn aufhängen. Bring ihn in sichre Verwahrung und komm wieder, denn ich habe dich nöthig.

(Hubert geht mit Peter ab.) (Zu Faulconbridge.)

O mein liebster Vetter, hörst du die Zeitung, die sich von einer Landung ausbreitet?

Faulconbridge. Jedermanns Mund ist voll davon; überdas traf ich den Lord Bigot und den Lord Salisbury an, mit Augen so roth wie frisch angeblasenes Feuer, und noch viele andre, welche giengen Arthurs Grab zu suchen, der, wie sie sagen, diese Nacht auf euer Anstiften ermordet worden sey.

König Johann. Mein lieber Vetter, geh, wage dich in ihre Gesellschaft; ich hab' einen Weg ihre Liebe wieder zu gewinnen; bringe sie vor mich.

Faulconbridge. Ich will sie aufsuchen.

König Johann. Aber eile; du kanst nicht zu sehr eilen. O laßt mich keine einheimische Feinde haben, wenn auswärtige Gegner meine Städte mit dem furchtbaren Pomp eines trozigen Einfalls schreken! Sey mein Mercurius, seze Flügel an deine Füsse, und fliege, wie ein Gedanke, von ihnen zu mir zurük.

Faulconbridge. Der Geist der Zeit soll mich eilen lehren.

(Er geht ab.)

König Johann. Das ist gesprochen, wie ein muntrer junger Edelmann sprechen soll. Folg ihm; vielleicht hat er einen Courier zwischen mir und den Pairs nöthig; du taugst am besten dazu.

Courier. Von Herzen gerne, mein Gebieter.

(Geht ab.)

König Johann. Meine Mutter todt!

Vierte Scene. (Hubert tritt auf.)

Hubert. Gnädigster Herr, man sagt, es haben sich diese Nacht fünf Monde sehen lassen; viere seyen stille gestanden, und der fünfte habe sich mit einer erstaunlichen Geschwindigkeit um die andern vier herumgedreht.

König Johann. Fünf Monde?

Hubert. Alte Männer und alte Mütterchen, auf den Strassen, machen gefährliche Propheceyungen hierüber; des jungen Arthurs Tod ist immer in ihrem Mund, und wenn sie von ihm reden, so schütteln sie die Köpfe und wispern einander ins Ohr; und der so redt, faßt den Hörer bey der Hand, indem der, so zuhört, Gebehrden des Entsezens macht, die Stirne rümpft, den Kopf schüttelt und die Augen verdreht. Ich sah einen Schmidt mit seinem Hammer, der, indeß daß sein Eisen auf dem Ambos erkaltete, mit ofnem Maul die Zeitungen eines Schneiders einschlang, der mit seinem Ellstab und seiner Scheer in der Hand, in halbangezognen Schuhen, in die er vor Eilfertigkeit den unrechten Fuß gestekt hatte, von viel tausend tapfern Franzosen erzählte, die in Kent in Schlachtordnung stünden; bis ein andrer hagrer, ungewaschner Handwerksmann seiner Erzählung ein Ende machte, und von Arthurs Tod redte.

König Johann. Warum suchst du mich durch dergleichen Schrekbilder zu beunruhigen? Warum wiederholst du Arthurs Tod so oft? Deine Hand ist sein Mörder gewesen; ich hatte Ursachen seinen Tod zu wünschen, du hattest keine.

Hubert. Ich hatte keine, Sire? Wie? Reiztet ihr mich nicht dazu an?

König Johann. Es ist ein Fluch der Könige, Sclaven um sich zu haben, die ihre Launen für Befehle nehmen; die einen blossen Wink des Herrn für ein Gesez halten, das sie zu jeder blutigen That berechtigt, und die Gedanken der gefährlichen Majestät zu befolgen glauben, wenn sie vielleicht mehr aus einem Anstoß von schlimmem Humor als aus überlegter Absicht sauer sieht.

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Leben und Tod des Königs Johann Page 27

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