(Er giebt ihm die Crone.)

Pandolph. Empfanget wieder aus dieser meiner Hand, als ein Lehen des Papsts, eure königliche Grösse und Autorität.

König Johann. Und nun haltet euer geheiligtes Wort; gehet den Franzosen entgegen, und bedienet euch aller Gewalt, die ihr von Sr. Heiligkeit habt, ihnen, eh sie unser ganzes Reich in Flammen sezen, die Grenzen zu versperren. Unsre mißvergnügten Grafschaften lehnen sich auf, unser Volk sträubt sich gegen seine Pflicht, und schwört einem fremden Blute Treue und Unterwürfigkeit. Dieser Schwall einer fieberhaften Schwärmerey kan von euch allein besänftiget werden. Säumet also nicht; denn die gegenwärtige Zeit ist so krank, daß sie, ohne die Hülfe schleuniger Arzneymittel, gar bald unheilbare Folgen nach sich zöge.

Pandolph. Mein Athem war es, der wegen euers halsstarrigen Bezeugens gegen den Papst, dieses Ungewitter erregte; nachdem ihr euch aber auf eine so glükliche Art verändert habt, so soll eben dieser Athem, diesen Sturm des Kriegs wieder hinweg hauchen, und schönes Wetter in euerm erschütterten Lande machen. An diesem Auffahrts-Tage, erinnert euch dessen wol, geh ich, auf den Eid hin so ihr zum Dienst des Papsts geschworen habt, die Franzosen zu vermögen, daß sie die Waffen niederlegen.

(Er geht ab.)

König Johann. Ist heute Auffahrts-Tag? Sagte nicht der Prophet: An diesem Tage, zu Mittag, sollt ich meine Crone niederlegen? Was hab ich gethan; ich meynte, es sollte durch Gewalt geschehen, aber dem Himmel sey Dank, es geschah bloß freywillig. (Faulconbridge tritt auf.)

Faulconbridge. Ganz Kent hat sich ergeben; nichts hält sich noch als Dover-Castle; London hat wie ein freundlicher Wirth den Dauphin und sein Kriegsheer aufgenommen; eure Edeln wollen euch nicht hören, sondern sind im Begriff, ihre Dienste euerm Feind anzubieten; und die kleine Zahl eurer wankenden Freunde treibt wilde Betäubung hin und her.

König Johann. War die Nachricht, daß Arthur lebe, nicht vermögend, meine Lords zur Wiederkehr zu mir zu bewegen?

Faulconbridge. Sie haben ihn todt auf die Strasse geworffen gefunden; ein leeres Kästchen, woraus der Juweel so darinn verschlossen war, das Leben, von irgend einer verdammten Hand weggestohlen worden.

König Johann. Der nichtswürdige Bube Hubert sagte mir, er lebe.

Faulconbridge. Ich wollte für ihn schwören daß er nichts anders wußte--aber warum seyd ihr so niedergeschlagen? Warum seht ihr so traurig? Seyd groß in Thaten, wie ihr es in Entschliessungen gewesen seyd. Laßt die Welt keine Furcht, kein banges Mißtrauen in einem königlichen Auge lesen; seyd unternehmend, wie die Gelegenheit die euch auffordert. Sezet dem Feuer Feuer entgegen, drohet dem Dräuer und trozet der rümpfenden Stirne der pralenden Gefahr; so werden eure Anhänger, die ihre Aufführung von ihrem Oberhaupt borgen, durch euer Beyspiel groß werden, und einen unerschroknen Muth fassen. Hinweg, und schimmert wie der Kriegs-Gott, wenn er dem Sieg entgegenzieht; zeigt Kühnheit und Vertrauen auf euch selbst und euer Glük! Wie, sollen sie den Löwen in seiner Höle aufsuchen, und sie sollen ihn da erschreken, ihn zittern machen? O! laßt das nicht gesagt werden. Geht dem Feind herzhaft auf den Leib, und ringet mit ihm, eh er in das Herz euers Landes eindringt.

König Johann. Der Legat des Papsts ist bey mir gewesen, und ich habe Frieden mit ihm gemacht, und er hat mir versprochen, den Dauphin wieder heim zu schiken.

Faulconbridge. O unrühmliches Bündniß! Fremde sollen in unser Land einfallen, und wir sollen kein anders Mittel haben, als Unterhandlungen, Compromiß und erbettelten Waffenstillstand, um sie uns vom Halse zu schaffen? Ein unbärtiger Junge, ein verzärtelter seidener Stuzer soll übermüthig über unsre Felder einherziehn, seinen Muthwillen auf einem kriegerischen Boden herumtummeln, der Luft mit dem bunten Gepränge seiner flatternden Fahnen spotten, und keinen Widerstand finden? Zu den Waffen, mein Königlicher Herr; vielleicht erhält der Cardinal seine Absicht nicht; und wenn er sie auch erhält, so laßt doch wenigstens von uns gesagt werden, daß wir in der Verfassung gewesen, uns wehren zu können.

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Leben und Tod des Königs Johann Page 31

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